Es sollte für einen bestimmt sein. Man sollte wie in einem Sog durch eine Sache gezogen werden.
2023, Mai
Das Leben legt sein Glück in meine Hand. Nicht darum, dass ich es leite. Sondern darum, dass ich falle und immer falle, den kontrollierenden Blick auf es verliere.
Was will ich machen jenseits des Arbeitsamts.
Um sich anzupassen oder als Teil einer bestehenden Bewegung mit fortgetragen zu werden, ist Selbstaufgabe erforderlich. Um an positiven Techniken und Diziplinen teilzunehmen, Teil ihrer zu sein, vergessen sich Bereiche, die vorher schwelend und als Potential erkennbar waren.
Dies wird nicht wahrgenommen als Verlust, sondern als Geburt. Das Vorherige war Unbestimmtes und Antriebsloses. Jetzt, als Teil eines technischen (also theoretisch-technischen) Umfeldes, gewinnt die Existenz an Fahrt.
Doch die Todesfleische meiner nicht in dieser neuen Diziplin enhaltenden Anteile verbergen nicht ihren Geruch.
Es kann ja nicht sein, dass dieses Anteil-sein jedes Zweifeln und Beklommensein überwirkt. Es kann nicht sein, dass mein Gewonnenes Verstandensein (und zum Sein kommen) in diesem neuen Ganzen den weiter bleibenden Kindeitstaumel übertüncht.
Ich lebe nicht. Ich schreie. Ich bin tot, dem Tod geweiht, in seinem Begriff, oder er zerrt an mir. Hier ist es nicht in Ordnung, hier in diesem Feld, in diesen Verstehensweisen. Ich bin verloren, etwas fehlt.
So trunken kann doch nicht ein neuer Wirklichkeitszugang machen, als dass diese schreienden Zweifel besänftigt würden oder verklüngen. Sie leben weiter, sie sind da.
So ganz, wie es uns nach dem Fleisch der Menschen lüstet, und mehr noch nach dem aus ihm dringenden Versprechen des Verstehens (und der daraus folgenden Verbundenheit, und der daraus folgenden Sicherheit), wird dieses Lüsten dadurch gestillt, dass dieses Versprechen auch aus unserem eigenen Fleische quillt.
Sind wir (in einem gesellschaftlichen Sinne) der Mensch, nach dem wir uns sehnen, kehren die Menschen in uns ein, weil ihre Vielzahl – als Gesellschaft und noch genauer als Bindungskraft des Familiären – schon in uns weilt. Sie mischen sich unter und reichern sich an zu einer wohligen Einheit.
Erst dringt der schwarze Trunk, das Gift in mich ein. Beißend scharfes Blut schwimmt in meinen Adern. Und die Luft wird zu einem stinkenden Gas. Ich beginne mich loszuschneiden und Blut schwemmt und spritzt everywhere.
Die Hautlappen sind lose, meine Haut noch wund und übersäht. Ich robbe über den Boden. Doch ich lebe nirgendwo. Es gibt kein Dach. Und auch keine wirkliche Welt außerhalb dessen, von dem ich mich gerade losschnitt.
So schneidet sich ein Tier los von dem Lebenden, aus dem es kam und verblutet fast daran.
Es gibt jetzt einen Szenenwechsel: Wir sind in einer Schule, die Böden sind glänzend. Die Lehrer haben geschwollene Augen und laufen komisch. Und dann die Mädchen. Die Jungs sind kleine Schemen unter den Bänken an den Rändern der Flure. Doch die Mädchen stehen unbeschadet da. Ihre Rucksäcke neu und duftend. Und ihre Jeans sind eng und rein.
Da ist dieses Leben, dem sie gehören. Sie verleiben sich die Schule ein, versuchen sie zu meistern. Als schillernste Gestalten dieses Untergangs.
Würden sie sich losschneiden von dieser Welt, würden sie ihr Mädchen-sein verlieren und zu Menschen werden. Doch so einfach ist es nicht.
Das andere Grundmotiv ist, wie der Mensch in den Augen und Mündern erwächst. Es herrscht ein Bruch. Sonst könnte man ja das Positive herauslesend weiterentwickeln. Doch das geht hier nicht. Die Welt ist zum Krieg geworden. Und in ihr quellt das vergossene Blut.
Ausgesprochene Sätze sind ja auch eine zurückgelegte Distanz. Wenn ich nicht draußen gehe, gehe ich im Geiste.
Ich habe zu keiner Zeit an deiner Wundersamkeit gezweifelt. Und jetzt, in der Mitte des Schweigens, fehlt ihr Klingen.
Auch Kinder haben die evoziernde Kraft, die zu uns aus ihrer Äußerlichkeit spricht.
Habe ich es schon geschrieben? Ich dachte lange, sollte ich (und ich wollte wirklich nie) Kunst studieren, würde diese Zeit daraus bestehen, mich abzunabeln, mich zu streiten, zu kratzen und zu fauchen, dass ich dieses nicht will und meines, also meine Kunst, ganz anders sei.
Denn löst man den Kampf aus den Gattern einer einzelnen Institution, und lässt ihn spielen in der Entgrenztheit einer gesellschaftlichen Alles-Möglichkeit, wird er produktiv.
Die Abgrenzung darf nicht in Bezug auf eine bestimmte Fachrichtung oder konkrete Menschen geschehen (mit denen man ja ohnehin nichts zu tun haben will), sondern durch den offenen Pool der Gesellschaft.
Denn hier, in einem diesartigen Resonanzraum, ist es das Schönste, dieser Gesellschaft und diesen Menschen verhaftet zu bleiben. Hier kann ich nicht ohne euch.
Das Leben ist Gesellschaft.
Wenn man lange Sätze formt, läuft man Gefahr, in das Labern zu verfallen, Unnötiges zu erwähnen, ihm Raum zu geben, und das Wichtige zu vergessen, keine Energie mehr dafür zu haben.
Keine Menschen sind da, wo bin ich. Alles kreist um das Gleiche: das Geld verdienen.
Vielleicht ist das Programmieren die Trauer, der ich unaufhaltsam entgegentreiben muss, damit sie mich spaltet, damit sie mich besänftigt; damit sie mir zeigt, wohin ich wirklich muss.
Was mich an der Kunst stört: Pseudowissenschaftlichkeit und ein eigentümliches Verhältnis zur Wahrheit.
Die Wissenschaftlichkeit geht nicht tief, ist nicht systematisch. Deutet an, ist Effekt.
Die Wahrheit wird dargeboten aber nicht vollends gelebt. Sie ist eine Position, ein Standpunkt, etwas zur Schau gestelltes, was nicht mit aller Ernsthaftigkeit beständig im Alltag und der Zwischemenschlichkeit der Erschaffenden zuhause sein muss.
Kunst ist mir einfach grundunsympathisch.
Sämtliche Sinnbezüge halten sich in der Auflösung begriffen.
Meinen fehlenden Intellekt mache ich mit Aggressivität gut.
Number one health indicator are people, good relationships.
Es könnte sein, dass das im Kommen Begriffene hier anfängt zu sein.
Das Treiben eines Keiles in die Sphäre des Theoretischen.
Den Sommer (physisch) überleben.
Vielleicht ist das Leben wirklich ein Überleben.
Die Menschen sind da, wo das Geld ist.
Die Stadt beschreiben. Sehe Youtuber, wie er versucht in Abu Dhabi Rolex-Uhren zu kaufen.
Die Bürogebäude. Sie stehen. Warum sind sie da, was ist da? Heute war ich Essen außerhalb der Stadt. Traurig, keine Menschen.
Man muss eigentlich geldmäßig mit der Stadt verwurzelt sein. In ihr handeln, ein Büro mieten, bauen und mieten. Umsatz machen. Gefragt sein. Das ist das Leben.
Ich habe keine Idee. Ich bin eingegraben in den Schutt, den ich schon seit Jahren nicht zu bewegen vermag.
Eine neue idee, die ich habe, ist es, mich mehr treiben zu lassen, und mehr zu probieren. Es ist auch so, dass ich in meinen Probieren in Ameisenschritten ständige Fortschritte mache. Sie sind jedoch wirklich sehr klein.
Eine weitere Idee, die ich hatte, ist die der Konfrontation. Sie zielt darauf, meine »Traumfreunde« nicht aus der Luft zu greifen oder zufällig an einem verwunschenen Ort auf sie zu treffen, sondern sie zu erschaffen, in dem ich – gewissermaßen – die Erdschollen der Existenz umdrehen möchte, um ihre fruchtbare Unterseite nach oben zu kehren und mit ihnen in dieser Feuchtigkeit zu wachsen.
Ich bin enttäuschter von den Menschen, als ich mir das aktuell zugestehe. Ich bin an vielem Schuld. Ich habe sämtliche gescheiterten Beziehungen in ihrer Fatalität mitgestaltet und trage maßgeblich Verantwortungen für sie. Dennoch gibt es Einzelmomente, die gesondert besonders wehtun. Belogen werden, sexuell »betrogen« zu werden, unverständlich aus dem Leben geworfen zu werden, und vieles mehr.
Meine ehrliche Meinung dazu ist, dass ich denke, die Menschen wissen es nicht besser. Sie können nicht besser mit mir, ihren Konflikten und ihrem leben umgehen als auf diese schmutzige Art und Weise.
Und ich schaffe es nicht, aus eben jenen Gründen, in die ich fast verschüttet erscheine, mich von ihnen zu lösen, wenn es an der Zeit wäre. Oftmals lese ich sehr früh die Warnhinweise für so einen Ausgang. Doch ich bleibe.
Das ist die Kunst rückwärts: Die Wirklichkeit setzt sich fest als Sediment. Und die Zeit verrichtet ihr Werk.
Und es gibt die Kunst vorwärts: Angestrengt verdichtet man die Formen und das in einem wohnende Gefühl zu etwas, das irgendwie vor einem steht. Und als solches strahlt es in Kraft. Viele nennen es Kunstwerk. Es spielt mit unseren Erfahrungen und wir sind berührt.
No one can know if I am good.
Denke, wenn auch zum Glück noch nicht besessen, an M. zurück. Und ich hoffe, dass dieses neue Keyboard mir beim Leben behelfen wird.
Sprechen mit dem Körper. Ich bin nackt. Man sieht meinen Körper. Er erzählt eine Geschichte. Das Mädchen sieht ihn und ist verzaubert.
Theorie hat oft etwas so »Theoretisches«, die Kunst auch. Als ob sie vollkommen losgelöst vom Leben stattfänden, auf es reflektieren, sich vorallem durch diese Anschauungen und Betrachtungen in es einmischen. Doch verschmolzen sind sie nicht. Auch das wurde oft proklamiert. Oder wenn Kunst/Theorie eins mit dem Leben wären, dann so, wie die Schule oder der Unterricht uns auf das Leben vorbereitet, zu ihm »anleitet«, doch unabhängig davon geschieht.
Es zeigt sich stark in den Veranstaltungen, die auf Texte Bezug nehmen. Vorne sind die Handelnden und ihnen zu Füßen sitzt das Publikum.
Ich habe eine religiöse Sehnsucht. Ich vermisse, die reale Präsenz des Lebens in der Kunst, und die reale Präsenz der Kunst im Leben.
Oder dass sich die Veranstaltung wahrhaftig zu einem künstlerischen Ereignis verwandelt oder die Kunst zu einem des Lebens.
Ich will mich treffen und schwüre abhalten. Suren sprechen. Gemeinsam singen. Und auch Musik nicht als unverbindliche »Aufführung«, sondern als real geschehende Messe.
If I want to remember something forever: say it publicly.
Auf das Gefühl, nicht verstanden zu werden und keinen Ort zu haben, kann mir niemand eine Antwort geben.
Ich dachte lange, das Internet sei Ersatz für eine Sozialität.
Im Takt der nie endenden Traurigkeit verrichte ich mein Werk. Ihr Klang ist es, der die Samen in die Erde drückt.
Die Möglichkeiten zu leben liegen in Stücken da. Welche Motivation soll sie verknoten? Das trauernde Schlucken wird nicht vergehen.
Es ist Nacht in der Welt meines Verstandenwerdens.
Der Ruf seiner Schönheit eilte ihm voraus.
Eine Sendung meiner Zusammenkunft.
Jede Hoffnung wird irgendwann zu Boden gestoßen.
Das Gefühl meiner innewohnenden Qualitäten. Spannungsvoll wartend. Vom Licht der Welt erblickt zu werden.
Es gibt keine singuläre Antwort eines Sein-Sollens.
Hoffnungsvoll wölbten sich unsere Gesprächsfelder. Die Kathedrale befand sich einen Wimpernschlag vor ihrer Fertigstellung.
Benjamin war insofern im Recht, nicht »ich« zu sagen, als dieses Ich dem Wirklichen oft am Fernsten ist, und wir uns eher in etwas uns Übergeordneten mischen, das sich unserer Kontrolle entzieht.
Wenn ich totkrank gesagt wäre, würde ich versuchen, die Liebe zu äußern, die ich nie äußerte, die Wahrheit über die Welt und die Gesellschaft zu äußern, die ich nie äußern konnte.
In der Abwesenheit des Sozialen ist kein Nichts.
Das »Weibliche« – man verzeihe mir – scheint einen so schematischen Ablauf zu kennen, der sich darum dreht, ob ich verpartnert werden soll oder nicht. Wie bei einem Bewerbungsprozess, bei dem es zu einem Arbeitsvertrag kommt oder eben nicht. Bin ich Teil der Firma und arbeite mit ihr an den Inner-Workings, der Zukunft, und den Markt-Assessments. Oder gehe ich durch den Kundeneingang, zu den geregelten Öffnungzeiten für Gespräche, bei denen ein Counter uns trennt.
Lose 10 Pounds and the world will be mine.
Bei jeder Trennung muss man Abbitte leisten.
Die Kunst ist der Philosophie vielleicht dahingehend gleich, dass sie der Zeit ein Antlitz gibt.
Sie ist dabei kein Artefakt, das wie eine Ich-Konzeption sich in der Handlung platziert und wollend versucht auf sie zuzugreifen.
Ist ein Mensch – mit seiner Haut. Mit den Sprossen in seinem Gesicht. Und der Besonderheit seines Haars. Er schaut uns an. Im Blaugrün seiner Eigenheit.
Wie davon lassen? Wie davon gehen?
Das bedeutet eigentlich, dass die Annäherung, vor dem wirklichen Zusammensein, also vor dem Zustand der Stasis der Einigkeit, das eigentliche Zusammensein ist.
Der gute Gedanke ist, dass ich mir eine berufliche Zukunft vorstellen kann.
Die Mädchen, mit denen ich bin. Ich will sie nicht verurteilen, sie haben ihre Gründe. Aber sie haben wirklich keine Ahnung, was sie tun. Es ist sehr impulsiv, crashing, I don’t know.
Ich muss ihr einfach schreiben. Weil das der Stoff ist, aus dem das Leben besteht
An »invisible borderline«.
Lange dachte ich: für andere da sein ist das Lebenswichtigste, aus dem sich alles ergibt. (Also auch Kinder bekommen.) Gerade habe ich große Angst vor der Kombination aus materiellen Zwängen, Carearbeit und dem Wunsch, Kunst zu machen.
Wenn ich kein schöner Mann bin, ist es ein Verrat an meiner Klasse. Man muss als Mann schön sein, um nicht cis zu sein. Ein richtig schöner Mann ist nicht mehr cis.
Man denkt noch, es müsste gehen. Aber dann geht es nicht, und man verfällt und verfällt.
Der Körper ziert sich.
Es geht hier nicht darum, ein paar Muskeln zu formen, etwas Fett zu verlieren, von Mädchen schön gefunden und mich in ihnen zu verlieren.
Es geht hier um das, um das es jeder schönen Frau geht: um die Konzeption von etwas, das größer ist als wir alle, und dass wirklich nicht primär darauf angelegt ist, mit anderen in direkte Beziehung zu treten.
Es geht um die Erschaffung einer Welt. Um ein Spiel aus Figur, Stofflichkeit, Sprache, und Zukunft. Und in dieser halten wir uns (wenn auch in ungleichen Positionen) gemeinsam auf. Im Schönwerden eines Menschens treiben aus seinen Tiefen Menschenkörper an die Oberfläche. Plötzlich ist er bevölkert und übervoll.
Die Begriffe arbeiten lassen. Nicht »ich« denke Dieses und Jenes. Sondern: Dieses und Jenes ziehen sich gegenseitig eins über, vertragen sich wieder, etc.
Sage ich etwas mir Nahes, und wird es verstanden, und sogar affimiert, von einer mir nahestehenden Person, ist es ein Gefühl des Glücks, und umso seltener oder tiefer mein Gesagtes, desto durchdringener die Wärme des Moments.
Doch wie sehr kann ich mich an solche Momente erinnern? Konkrete Momente, in denen ich etwas sagte, es wurde verstanden, und mein gerade noch mit Haut zusammengehaltener Körper löst sich auf und zerfließt im Raum.
Ich kann mich an keinen konkreten Moment erinnern.
Was mir immer stärker schien, war, wenn jemand anderes etwas sagte, was vormals in mir war. Liegt es daran, dass dann diese*r Gegenüber, das in mir lose Vorhandene aber nicht Artikulierte in Sätze der Wahrheit gießt, die in Klarheit und Kraft mein eigenes Bewusstsein einer Sache sogar übersteigen? Oder liegt es daran, dass diese*r andere zumeist öffentlich spricht oder aus Verankerung eines Werks, und somit meine Verfassung und innere Wahrheit in der Manege der Öffentlichkeit Platz nehmen, in ihr ausgetellt werden, einen selbstbewussten Raum einnehmen? Dass also für mich bei anderen gesprochen wird?
Ich weiß es nicht. Doch was ich weiß ist, dass das größte Verstandenwerden durch den Ausspruch anderer geschieht, und mit meinem Ausspruch Verstandenwerden anderer geschehen kann.
Ich habe eine Obligiation zu sprechen.
So sehr ich auch geprägt bin von dem, was ich lese und den Stimmen, die mich umgeben, wollte ich immer, dass die Bausteine meines künstlerischen Werks die unauflösbaren sozialen Momente sind, die ich erlebe, und die mein Leben sind. Ihnen haftet etwas Unerklärliches und eine unenträtselbare Spannung an, die allem Menschlichen zueigen ist – so oft es sich auch in endlosen Variationen ereignete und immer wieder eignen wird.
Als Jugendlicher hatte ich das ganz verinnerlicht. Dass das Aufstellen eines Werkes, einer Welt, einer Vorstellung alles sei.
Und mir fehlt das manchmal bei Aufeinanderkünften mit Menschen. Ich denke, wir sind so besonders, alles ist so magisch, jetzt wäre es doch daran, uns zu einem Kunstwerk zu erheben, ganz die Bodenhaftung des Profanen und des Alltags zu verlieren, oder den Alltag zu verwandeln und ihn zu erheben. Stattdessen gibt es oft ein Geflecht von Freund*innen, das stärker und vor allem normierender ist, als die Vision, mit der uns unser Zusammensein eigentlich beauftragt.
Heute morgen lag ich schwach. Sind keine Menschen da, fehlt mir der Mut. Mein Leben liegt da wie zuvor. Doch ich kann es nicht betreten. Ich kann nicht aufstehen und an ihm teilnehmen.
Was fehlt, ist der menschliche Zuspruch aus dem es sich bauen ließe.
Ich weiß nicht, ob ich konventionelle Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit mögen würde.
Das Glück wird in das Werk eingeschrieben. Es muss vorher existieren. Es kann nicht im Werk prophezeit werden.
Ich kann nichts verdichten, was nicht ist. Und jedes Hergestellte, muss eigentlich auch auf einen Kontext abzielen, für das es ist.
Komisch doch, dass wir aus dem gleichen Tümpel gestiegen sind und uns doch so unterscheiden. Warum ist es so schwer, wen zu finden, der zu uns passt?
Mein einsamer Weg. Manchmal vergesse ich, warum ich mich überhaupt auf ihm befinde.
Wir sehen uns in die Augen. Das schönste Gesicht eine halbe Armlänge entfernt. Die Liebe vereint uns, wir sind ganz entzweit. Gestern Nacht haben wir miteinander geschlafen oder morgen schon. Und wenn wir getrennt sind, pocht in uns das warme Gas des sehnsüchtigen Vermissens. Wo bist und, und warum bist du nicht bei mir. Der Alltag zerrt an uns. Er nimmt uns hier, zieht uns nach dort. Bis unser baldiges Wiedersehen uns den süßen Schmerz des gegenseitigne Verlangens wieder nehmen soll.
Wir wollen nicht wirklich zusammen sein und dann wieder doch. Wir sind unkompatibel füreinander bestimmt. Die Welt hat uns als perfekte Gegner füreinander ausgesucht, um an uns das tödliche Spiel der Vereinigung zu erproben.
Die Unmöglichkeit unseres Zusammenseins ist ein ich weiß nicht woher genommener Lebenssinn.
Die Unmöglichkeit unseres Zusammenseins übersteigt unsere Fähigkeiten, sie real zu bewältigen.
Die Unmöglichkeit unseres Zusammenseins tritt in den Hintergrund der wahren Liebe und Bestimmung füreinander.
Die Unmöglichkeit unseres Zusammenseins entsteht durch einen Wunsch des Lebens, grundverschiedene Menschen zu produzieren und sie dann zusammenzuführen.
The art of dumping at the right moment.
Das Verstehen ist die heimliche Würze allen Zusammenseins. Verstehen bedeutet, in gemeinsamen Bewegungen das Leben zu durchschnellen. Wir sind gemeinsam; nicht als Koexistenz, sondern als Choreographie.
Einem wird ja nichts so richtig in die Wiege gelegt – oder doch? Gewiss entstehen wir den uns umstehenden Strukturen. Doch ist nicht das menscheneigenste Element, sich gegenseitig die Kraft vom Kopf zu fressen. Als verfügten wir jede*r über Verständnis und Bedeutung, Aufmerksamkeit und Deutung. Und wir ragen zueinander wie Ferkel am Futtertrog, erhaschend nach dem Schönen und Kraft spendenen. So anzüglich und recht wir uns auch geben mögen. In Restriktion und Anstand vollführen wir den größten Tanz, um anerkannt zu werden.
Ist es nicht auch so in der Liebe? Im All der ständigen Veränderung faseln wir von Stasis, prozessieren wir sie mit Heirat. Als Schutzraum der uns sonst fortreißenden Unbeständigkeit. Ich bin nicht gegen sie. Doch ist es wirklich die Wahrheit?
Ich wurde mehrfach betrogen. Zwar von Menschen, von denen ich wusste, sie würden nicht langfrist mit mir planen, doch die mit jedem Gedanken vorgaben, sicherende Bindungen zu suchen und für sie zu leben.
Ist es nicht eher so, dass jede Beziehung, wenn nicht ein ewiges Kräftemessen, so doch eine Verhandlung um Aufmerksamkeit und Gültigkeit ist. Als spielten wir für ewig ein Brettspiel, indem wir mit jedem Würfelfall eine neue Runde aushandeln müssen.
Es gibt nur seltene Momente, in dem wir wirklich Pause von diesm Spiel bekommen.
Jeder Ruhm zerfällt. Als wäre er ein Leben für sich selbst, das auch stirbt, mit dem weiteren Fortleben seiner Träger.
Moondog was a socialite.
Der schlimmste Feind ist die Bildende Kunst. Doch die Indiemusik folgt auf dem Fuße.
Dachte darüber nach, Kurse an der Uni zu besuchen. Jetzt zuhause und geschlafen. Ich denke das nicht mehr, oder weniger.
Es ist leichter bezahlt, als geliebt zu werden.
Der Beruf ist der einzig wirksame Selbstausdruck, den wir haben.
Man könnte glauben, Geld hat nur in einem Mindestmaß vorhanden zu sein, und der Mensch hat dann die Freiheit, im Rest seiner Zeit oder Fähigkeiten, sich in der vollen Wahrheit seiner Eigenheit zu verkörpern. Als wäre Geld ein notwendiges Übel, das, versteckt wie die Wasserleitungen in den Wänden, bloß zur Infrastruktur unserer heutigen Welt gehört, in dieser Funktion sehr wichtig ist, doch ein Leben außerhalb, jenseits und über ihm existierte. Ich will auch nicht sagen, dass der Geist und die Logik des Geldes sich in jedem unserer Worte, in unseren Betrachtungen und den Formen unser sozialen Beziehungen zeigt. Sondern eher, dass sich der Wert eines jeden Menschenlebens darin bemisst, welcher (bezahlten) Tätigkeit es folgen kann, wie viel es dabei verdient, wie viel und auf welche weise es sich transformieren musste, um diese Position zu erreichen, und in wie weit diese Lebensform eingebettet ist in ein größeres soziales Bezugssystem von ihm freundlich gesinnten Mitmenschen.
Und auch. Sieht man die Menschen auf den Straßen. Alle beziehen ihre Wesen aus der Art, wie sie Geld verdienen. Es ist so viel mehr als ein Geldbetrag auf einem Konto. Es bestimmt unsere gesellschaftliche Stellung, das Leben, das wir ausüben können, die Orte, an denen wir sein dürfen.
Ein Schmerz, von dem man nicht weiß, dass man ihn hat.
Eine Form, die sich aus dem Leben ergibt, ist immer spannender als die überlegte.
Im Geld sind auch die Menschen eingeschlossen. Geld bedeutet: Menschen sind darin.
Geld ist auch ein Kommunikationsmedium. Natürlich spendet es uns Leben, Behausung, Nahrung. Doch in ihm ist auch eine gewisse Würdigung eingespreist: Du bist okay, du darfst bleiben. Und auch: An dir kann ich teilnehmen, mit dir kann ich sein.
Geld ist äußerst sozial, indem es uns Würde und Existenzberichtigung zukommen lässt, sowie uns Partizaptionsfähig zu gesellschaftlichen Menschen, zu Menschen unter Menschen macht.
Die finanzielle Zuwendung meiner Eltern, die ich über fast 10 jahre erhielt, war immer so gestaltet, dass sich dieses Gefühl nie einstellte. Ich war falsch, lebte auf ihre Kosten, war kein vollwertiges Mitglied der Gesellschaft und hatte keine ausreichenden Mittel, um effektiv an ihr teilzunehmen. Die Wasserkante hielt sich immer wenige Centimeter über einem aushaltbaren Maß. Ich war zu jung, um mich daraus zu befreien, war (vermutlich dadurch) depressiv, hatte keine Familie, von der ich ein wirkliches Leben hätte lernen können.
Es wurde ab dem Punkt besser, an dem ich mir dieses Geld selbstbewusst »nahm«.
Die Cuteness von Frauen ist immer so gestaltet, dass sie meine übersteigt.
Eine Abwesenheit der Menschen folgt nur aus der Abwesenheit von Tätigkeiten. Und diese Tätigkeiten müssen ordentlich an die Welt angeschlossen sein.
Nicht sozial – sondern geldlich.
Gerade wieder gemerkt: Schelling lesen und Schelling fertig lesen sind zwei verschiedene Dinge.
Eigentlich sollte Philosophie gar nicht möglich sein. Es ist eine Landnahme des Sozialen und Materiellen gleichermaßen.
Nun. Es beginnt eine neue Zeit für mich. Ich habe die materielle Struktur der künstlerischen Arbeit erkannt. Als ginge es um Anerkennung, Wertschätzung und Community building.
Nein. In der künstlerischen Arbeit (die philosophische miteingerechnet) geht es knallhart um materielle Interessen. Die Ansehung einer gewissen Gruppe, Erfolg, die einen soll tragen.
Sämtliche Veröffentlichungen und Veröffentlichungsformen sind dahingehend strukturiert.
Alle fertige Produkte, die es braucht, um überhaupt in den Spielregeln der Öffentlichkeit zirkulieren zu können, sind in erster oder zweiter Instanz geldlich vorgeprägt. Wenn nicht direkt für Endkonsumenten, so im B2B der Ideenwelt, der Universität, auf die dortigen Formen eingestellt, die wiederum auf geldliche Interessen (Festanstellungen, Fördermittel) zurückgehen.
Ideen sind immer schwach und fragil. Es ist ihr Wesen. Es gibt nicht so etwas wie starke und schwache Ideen. Es zählt nur, was aus ihnen wird.
Je mehr die Frauen mich lieben, desto mehr hasse ich sie.
Ein guter Satz. Als ich meine Einträge las, dachte ich, man könnte das als Frauenverachtend verstehen.
Zu müde, es zu erklären.
Chars: 24761, Words: 4126.8, Mins: 27.5