2023, April

Dachte, alle in Berlin sind so verloren wie ich. Ob mit Menschen oder allein.

Bei Hamy dann das schönste Mädchen hat mich angeschaut.

Analog zu einer großen Stadt, in der man von Menschen umgeben ist, und gerade deswegen einsam ist, kann es besonders einsam machen, zwei Elternteile zu haben, die physisch präsent sind, einen materiell versorgen, und dennoch nicht anerkennen, keine nährende Beziehung aufrechterhalten.

Und auch Social Media macht einen insofern einsam, als dass wir die Menschen sehen, aber nicht mit ihnen interagieren.

Ich übersetze philosophische Texte. Prosa des Lebens gefüttert von ihnen.

Je schöner ein Mensch ist, desto weniger mag es ihm daran sein, die Bestätigung von anderen zu suchen. Er spürt sie ständig an sich.

Wie heißt diese Kaste aus Musikern wie Avicii und Bakermat, die die Musik und die in ihrer Alltäglichkeit gefangenen Zuhörenden zum Fliegen bringen.

Das Einzige zu mögen ist das eigentümliche Kollaborationsprojekt der deutschen Sprache.

Ich habe vieles gegeben. Es ist schade, dass du nicht mehr hier bist. Deine Worte und dein Vernehmen waren alles.

Ich habe kurz vom Verderben gekostet und kann schon nicht mehr.

Das Leben ist entweder fließend: Sinnbezüge stellen sich her. Die Menschen reichen sich die Hände. Das Wesen tut sein Werk.

Oder die Sinnbezüge stellen sich nicht her. Keine reicht mir die Hand. Die Welt wirkt irgendwie zerstückelt.

Ich kann nicht anknüpfen, ich kann nicht sprechen.

Sämtliches Vertrauen aus dem Gesellschaftlichen abzuziehen, um es im Privaten nicht zu finden, hat mich glücklos gemacht.

Ein schöner Körper, der vor mir erscheint, und damit für mich ist, besitzt die Struktur einer Zukunft, die, Hoffnung spendend, sämtlich verlorenes Heil in mein Leben zurückzuführen bereit ist.

Mit jedem Satz ist der Ort, das Wirkliche, alles Mögliche, erschritten.

Wer hat mich gemacht.

Welches Wort, welcher Kuss. Welches Angesicht, das in mich schaute.

Die bündelnde Kraft eines schönen Körpers, der alles um sich in sich aufsaugt.

German lit world: I searched for friends and found my enemies.

Menschen, in deren Schoß ich starb.

Auch muss das Beschriebene eine gewisse Heiligkeit tragen, die es notwendig macht, sie auszutippen.

A good life would not seek to be famous.

Ich bin so wütend auf die Menschen, die nicht sehen, mit meiner weißen Haut und mit meinem reichen Elternhaus, in welcher zerbrochenen Schande ich mich befinde.

Die Prekarität, die durch das Fernbleiben von Institutionen entsteht, wiegt schwer. Intellektuelle Entkoppelung, Geldprobleme und ein bitterbös verweinter Abschied von meiner Familie.

Diejenigen, die ein solches Tal wirklich durchschritten, brauchen diese Erklärungen nicht. Es sind die Arroganten, die, von Weltlichkeit verwöhnt, noch keine ausreichende Demut lernen mussten.

Der Ort, den ich baue, ist keine Festung. Er wird zerstört durch das Wetter und die Menschen.

Froh, alleine in der Wohnung sein zu dürfen.

Niemand greift mich an.

Ein dünner Körper besticht nicht durch seine fleischlichen Charakteristika, sondern durch das Leben, das er vermittelt. Er spricht. Er sagt: Hier ist das schöne Leben, durch das ich ging. Und kennst du mich, bist du mit mir, kannst du Teil davon werden.

Man kann der Welt und den Dingen, wie beim Kochen, eine Seele zufügen.

War so schön für dich. Du nahmst mich nicht.

Etwas jünger noch, kann man träumen. Wäre ich jetzt 17, würde ich genau das Gleiche machen wie jetzt, ich könnte eine Hochschule ins Auge fassen, von der großen Karriere träumen, und sie, vielleicht, beschreiten.

Doch gerade das Nicht-zur-Schule-Gehen, Nicht-zur-Uni-Gehen, das Fernbleiben der Institutionen (und ja, auch des gesetzten und geschichteten Wissens) ist wesentlich.

Nichts habe ich so ausführlich und genau gelernt, wie in welchem Ausmaß meine Existenz auf dem Vorwerk, auf dem Vorschaffen jener beruht, die dieses Wissen anhäuften und an mich weitergaben. Wie abhängig ich bin vom gesellschaftlichen Zusammenwirken aller Menschen, die mir ein Leben in dieser Welt ermöglichen. Und ganz besonders, wie die Welt aussieht, wenn man von alledem Abstand nimmt, sich distanziert, fortgeht, denkt, man kann es alleine, man mag es anders, ganz anders, neu, und eigen. Oder wenn das Bisherige herrisch sei, vernichtend und nazistisch – wie es ist, wenn die Menschen, die mich mit ihrem akkumulierten Genpool, ihren Fähigkeiten und Seinsweisen erschufen, genau das nicht taten: dass das Erlernte meiner Eltern ihrerseits so schmerzlich verletzend partiell war, dass in ihren Existenzen ozeanweite Löcher klafften, die ein Leben, jenseits der Arbeit und provinzieller Gepflogenheiten, ungebahnt ließen.

Was ist es, wenn wir so angewiesen sind auf die Welt um uns, und wir zu ihr feindlich stehen, sie uns schändet, oder wir uns aus Trotz oder Verletzung ihr nicht zuwenden können?

Es gab für mich keine Inseln, oder es gab sie, und sie vergingen wieder. Inseln der Philosophie, der Künste, von Bereichen, die ein Leben versprachen. Menschen, deren Worte auf Löffeln meinen Mund fanden. Die für mich da waren und für mich da blieben. Es gab sie, schlaglichthaft, wie die Welt, unbeständig, oder das Wetter, eben ist.

Ich rieche wie ein italienisches Hotel.

Partner rücken uns in den Urzustand der Entfremdung, des Schmerzes.

Der ganze Glanz einer Zeit, die zu sterben beginnt.

Ich lernte die Technik als Kind. Sie übernahm mein Leben und zerrichtete es. Dann kam eine Pause, und nach vielen Jahren zog eine Logik des Lebens, das sich aus Beziehungen speiste, in die Kunst. Kein Werk stand für sich, es galt meine Person, meinen Kontext, meine Verfehlungen einzubeziehen und sie wertzuschätzen.

Doch jetzt geschieht gewissermaßen eine Technisierung des Lebens oder des Körpers, wenn ich z. B. Riley Ladd sehe. Ein Körper kann verändert und zusammengerichtet werden wie ein Werk. Er kann schön gemacht werden und verzaubernde Kraft ausstrahlen wie ein Werk der Kunst.

Die schlimmsten Schmerzen, die mir Menschen zugefügt haben, kamen von Frauen.

Ich habe mich in den letzten Jahren zunehmend über Frauen oder Beziehungen definiert.

Man kann gar nicht steuern, worüber man sich definiert.

Je nachdem ob der Erfolg sich einstellt oder nicht: Man brennt und versucht Hegel zu lesen, und man tut alles, dass es klappt. Und wenn es klappt, ist man glücklich, und wenn nicht, total verloren.

Wir sind als Menschen so tief abhängig von der sexuellen Zuneigung, die wir erfahren.

Die Erkenntnis, dass cis-Girls schrecklich sind, trifft auf viele meines Alters zu.

Zusammenhalten des brüchigen Geflechts, das das eigene Leben ist.

Nothing trumps necessity.

In einem gewissen Sinne bin ich ein Kind, das zwar mit, aber ohne Eltern aufwuchs.

Meine Eltern sind nicht der Liebe fähig.

Mit F ist es komisch. Woraus besteht diese Liebe? Viel Unverständnis ist in ihr. Und auch viel Sex, Anziehung, und gegenseitiges Mögen.

Jeden Tag muss ich einen Menschen sehen. Mit einer langen Eselszunge muss ich sein Gesicht ablecken. Und dann gehen wir durch den Anita-Berber-Park, drehen eine Runde auf dem Feld. Abgetragene Wege. Wir rotten uns zusammen. Gehäutete Reste unserer Jugendzeit. Immer noch träumen wir dem nicht zu Seienden und immer Gewesenen nach. Wir wollen, es pocht, doch bei uns finden wir es nicht.

Wodurch entscheidet sich, wie viel zu einem Menschen man fühlt?

Von Scholle zu Scholle. Doch aushalten tue ich es nicht.

Keine Liebe wohnt in mir. Das sagte ich schon. Sie kam mir nicht genügend zu. Wie kann ich sie nun »bewerkstelligen«?

Ich sollte ins Nichts sprechen und nur mit dem Nichts reden. Das allein ist das Richtige.

Most people are lost but they at least do something. They participate in an industry or a subculture.

Einsamkeit letztes Jahr um Muttertag. Danach F kennengelernt. In der Angst um ihren Fortgang stürze ich ein.

Neukölln hält mich hoch und streckt mich mit der aus Angst vor Abweisung begründeten Kraft gen Himmel.

Topologie der Einsamkeit und des Todes.

Alles an dir war schön.

Ich dachte die Tage an eine Landschaft des Todes. Wie er in uns lebt, wir ihn nicht sehen. Wie können wir ihn nicht sehen.

Eigentlich sollte die Wissenschaft vom Tod, die Überlegungen zum Tod, sich dazu eignen, dem völlig ausdruckslos gewordenen Sein wieder Leben zurückzuschenken.

Das Mädchen kommt zu mir. Sie ist ausgestopft mit Hegel. Spricht mit Hegel, ist mit Hegel, schwitzt Hegel. Doch sie weiß nicht um ihn.

Wie ist es, so getrennt mit ihr zu sein und gleichzeitig so vereint? Wir partizipieren an einer geteilten Erfahrung und der gleichzeitig zu große Unterschied scheidet uns von ihr.

Alle haben Träume, alle sind allein.

Ich möchte den Tod denken. Hier ist er ja nicht? Ich sehe ihn nicht, fühle ihn nicht. Kein Tod ist bei mir.

Oder doch? Lebt nicht sein schaudernder Körper ganz vollständig in mir. Sein Gesicht hinter meinem. Und unter meiner Haut ganz die Möglichkeit ihres Verkommens. Wie sie sich verliert, und die Andacht, die ich war,

schrecklich erlischt.

Meine Wohnung ist ein Zeugnis meiner Schutzbedürftigkeit.

Neben ihrem Bett liegt nicht die Bibel, sondern der diesjährige Terminkalender.

Schlimm sind: people who don’t face their reality.

Ich bin nicht genug bei den Menschen, im Öffentlichen. Wessen Schuld es auch sei.

Alles zur Verhandlung freigesetzt. Man braucht eine Schule, eine Kirche.

Man könnte auch zuhause trinken. Aber man macht es nicht. Die Stimmung der Bar geht auf einen über.

Es ist ein einsamer Mensch, der schreibt.

Einer, der die Institutionen und Menschen vermisst. Einer, der fahl zu den anderen schielt.

Ein Mensch, der den gesellschaftlichen Wurf nicht in sich trägt.

Ein Mensch, der eher pochend hofft, dass die Menschen ihm erscheinen mögen.

Und er beschwört sie. Mit ruhigen Gesängen, in einer ruhigen Stimme. Wieder und wieder. Bis sie endlich

kommen sollen.

Kraft habe ich keine mehr. Nur die des Widerstehens. Des immer Wiederhingehens, Auftauchens. Schreien kann ich nicht mehr.

Der Tod ist schwer zu beschreiben. Er möchte nicht existieren. Ihm liegt nichts daran.

Man kann auch einschlafen in diesem Leben. Es braucht den Kampf mit den anderen, der Welt, die Überraschungen.

Das Gleiche könnte man von Schönheit sagen. Sie stillt nicht in erster Linie das schmerzliche Bedürfnis nach positiven Bedingungen. Doch sie bringt einen unter Menschen, mit ihnen zusammen. Die Frauen in der U-Bahn und in der Apotheke lächeln mich an. Menschen helfen mir. Es ist besser als nichts.

Und selbst wenn es in direkten zwischenmenschlichen Beziehungen Restriktionen gibt, ja diese sogar zu ihren verfassenden Charakteristika gehören, diese Restriktionen und Unmöglichkeiten Beziehungen spannend und aufregend machen, so könnte doch das Vertrauen wachsen, das Band, oder die wurzelartigen Verbindungen, die in den Raum unserer gemeinsamen Wirklichkeit ausgreifen.

Die Richtigkeit der Zeit. Die Mädchen machen sich schön in den Spiegeln.

Muss mich eingraben und sicherer fühlen.

E wollte auch immer einen schönen Mann. Ich schaffe einen Raum auch für sie. Wir alle kehren in ihn ein.

Auf mir lasten immer noch Altschäden. Keine Kontakte durch fehlendes Studium. Scheu vor Kontaktaufnahmen. Meidung ganzer Tätigkeitsdisziplinen. Geldprobleme etc.

Es ist, als würden sich diese ganzen Problemzutaten gegenseitig verstärken und perpetuieren. Fehlende Menschen führen zu finanzieller und sozialer Not, die wiederum erschwert die Kontaktaufnahme.

Dich auf Instagram anzuschauen macht mich wirklich krank.

Und diese Mädchen mit Beziehungstipps (red flag hier und da) machen mich absolut krank.

Jene Menschen bilden ihr Denken aus, weil sie es müssen. Sie haben keine Gesellschaft, auf die sie zurückfallen und die sie tragen könnte. Sie müssen mit neuen Antworten eine Lebensmöglichkeit herstellen.

Unser Zusammenschluss von Zellen ein einziges Aufbegehren gegen die äußeren Widrigkeiten, die sekündlich nach unserem Tod trachten.

Jeder Kuss ein Widerschrei.

Ich brauche eine Konfrontation.

Die Liebe zum Verstandenwerden.

Es ist nicht einfach, zu viel Zeit zu haben in dieser Welt.

Viel Zeit und wenig Menschen.

Mache ich genug, werden die Menschen in mich einkehren. Es war immer so.

Es muss einen guten Wechsel geben aus Anstrengung und Belohnung. Es darf nicht entkoppelt sein.

Schreibe auf dem Laptop im Badezimmer. Ich bin so froh über diesen Raum. Er ist wie ein panic room. Keine Fenster. Die Kacheln beschützen mich.

First published: October, 2026.
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