2021, August

So ungebrochen viele Frauen auch scheinen mögen, sind sie doch Apostel einer klirrenden Liebe, die ich nur durch sie lernte.

Und so mischt sich in alle halbgemeinte Weltbetätigung doch das Weinen einer gärenden Gebrochenheit.

Vielleicht will ich die Frauen nur sorgen, alles umsorgen als einzigen Gruß, einziges Mittel meines Heilens, meiner Mög­lichkeit.

Möglichst viel Kraft anstrengen und geben, um über diese Freisetzung Liebe zu erfahren. Liebe, die jenseitslich der dem Zerfall zugeneigten Verbindungen besteht.

Es ist wieder schlimmer, das kann man sagen. Dass ich morgen ein Therapiegespräch habe, ändert wenig.

Zu dem Lied, das ich nicht vermochte, eines Morgens in deiner Küche zu hören.

Ich bringe deinen Schmerz zur Welt. Durch mich gewinnt er eine Gestalt.

Mit E telefoniert, weil ich mich so alleine fühlte. Liebe ging direkt wieder los. Und so auch dieses evozierende Gefühl der Distanz.

Wenn man mit Menschen in problematischer Beziehung steht, erklärt sich die empfundene Nähe nicht zuletzt dadurch, dass sie immer neu gesucht und hergestellt werden muss, um den ständig entstehenden Schmerz zu glätten und zu lindern.

Die Therapeutin hat danach gefragt, wie E reagierte, als ich sie gestern angerufen habe. Ich habe gesagt: Sie hat sich gefreut.

Jeder trägt das Ewige Leben als Möglichkeit in sich.

Was ist, wenn wir Kinder bekämen, eine Familie bildeten, und diese als Ewig-Realität das äußere Unheil überwöge? Also Sinn zu gebären durch eine Missachtung der Welt.

Wenn wir die Welt in ihrem Untergang begreifen, als Unheil, Dürre, usw., und nun Kinder durchbringen als Durchzubringendes, negieren wir durch ihr Überdauern dieses Äußere? Und auch zu jedem Preis und in jedem Glanze?

Und dann wieder: Wir sind in unserer Lebensmöglichkeit, in unserem Gefüttert-Werden von der äußeren Welt abhängig. Ist das nicht das christliche Paradoxon? Dass wir auf der einen Seite etwas durchbringen wollen innerhalb einer Protorealität, obwohl wir auf diese zu überkommende Welt angewiesen, von ihr abhängig sind?

Wenn ich von Märtyrerei spreche, dann ist sie nur echt, wenn ich es in Öffentlichkeit tue, wenn ich in Öffentlichkeit sterbe.

Wenn mein Tun schlauer ist, als ich es bin, und ich gehe davon aus, dass es das ist, muss ich meinem gesellschaftlichen Tun folgen und seine Weisheiten anhören.

Es ist eine Geschichte der Angst und vielleicht eine des Mutes gleichermaßen.

Die Zeit sondiert die Ideen, lässt manche verblassen, andere erhalten.

Sie bedienten sich dabei auch eines übergeordneten, gesellschaftlichen Vorrats des Weiblichen, um mich als Mann einzutüten, zu entschärfen, zu demarkieren. Oder anders gesagt: Wenn die Liebe besteht, bin ich ein Mensch für sie, ein Freund, ein Verbündeter. Doch wenn die Liebe sich nicht einrichtet, werde ich zu einem solchen Mann, zu einem Mann überhaupt. Ich verliere meinen direkten, individuellen Charakter.

Die meisten Menschen, die ich kenne, assoziieren sich maximal mit den aktuellen Zeitbewegungen, mit ihren aktivistischen Kämpfen. Doch die wenigsten lesen intensiv Butler oder Fanon. Die Menschen treten auf und identifizieren sich, als hätten sie diese ganzen Bewegungen selbst ins Leben gerufen, in kompletter Reinheit und Übereinstimmung mit Ideen, die sie nicht mal ausreichend kennen.

Wenn ich mich daran störe, dass manche Leute mein Geschriebenes nicht mit intensiven Augen verstehen, so fällt mir auf, dass jene auch anderes, vieles anderes, nicht mit intensiven Augen verstehen – ja, vielleicht gar nicht über Augen jener intensiven Genauigkeit verfügen.

Ich habe Respekt vor Leuten, die gläubig sind. Menschen, die an Gott glauben, mussten dem Tod irgendwie geartet in die Augen schauen. Menschen glauben nicht leichtfertig.

Vielleicht muss ich mich von den Menschen trennen, um ihnen wieder näher zu sein.

Ich bin wie ein Schatz einer Währung, mit der man nirgends bezahlen kann.

Dieser deutschen Crowd zu folgen, lässt die Unsicherheit in mir wachsen.

Wenn man sich distanziert. Ist das nicht eine überlegenere Form davon, Kritik auszuüben?

Aber ich schaffe es nicht, etwas Eigenes zu leben.

Menschen sind faszinierende Tiere, wenn sie etwas gut können.

Dass auf der einen Seite die Männlichkeit sehr zerstörerisch ist und sich alles einverleibt. Aber dann auch wieder mit ihrer Macht einen Radius spannt, in den alle einkehren möchten.

Women working together is a lot of lifting up and empowering. But also enabling and denying together.

Doch noch wichtiger wäre ja eigentlich, mit Menschen zu leben.

Glücksgefühle entstehen oft als Antwort auf Schmerz oder Negatives. Ich stehe vor einer 8-Stunden-Schicht und denke, ich schaffe das nicht. Mein Körper schmerzt und ist müde. Aber wenn ich es geschafft habe, ist es das größte Glück.

Ich fühle mich sogar, als ob meine Finger zu müde seien, um auf dieser Tastatur zu schreiben.

Ihre Konflikte sind meine. Ihr Geistesgewirr, ihr Schutzsinn und Argwohn – alles kommt mir zu. Alles fließt in mich ein, alles muss ich aushalten. Auch ihre Freunde, von denen ich gedacht habe, sie aushalten zu können, sind plötzlich meine Freunde, mit ihren Geschichten und ihren Problemen. Ist es nicht interessant, wie sich alles Menschliche vermischt? An uns kleben die Farben der anderen, des Allgemeinen, der Geschichte und Zeit.

Mein Zuschreiten auf die Welt (eine spezifische) ist schon ein utopischer Akt. Wenn wir so sehr von dem Umweltlichen bestimmt sind, ist das Zugehen auf eine Welt schon revolutio­när.

Immer, wenn ich nicht weiß, wie es mir geht, geht es mir wahrscheinlich schlecht.

In unser Tun und Werken sind die Menschen eingezeichnet. Sie sind darin eingeschrieben. Sie verstecken sich darin. In unserem Arbeiten leben die Menschen.

Arbeit und Produktivität sind also nicht nur etwas, das uns Bestätigung und Anerkennung für unsere erbrachte Leistung zugedenkt. Arbeit heißt auch, mit den Menschen zu sprechen. Und das vielleicht auf die intimste und richtigste Weise.

Denn wir formen mit ihnen eine Familie, einen Bund. Eine Lebensgemeinschaft. Wir bauen gemeinsam an unserem Haus und unserem Herz. Wir sichern uns, wir erkennen uns an.

Meine größte Trauer kommt (so auch gestern und heute), wenn ich mich nicht an der Welt betätigen kann. Meine Arbeit ist fort. Ich kann nicht schreiben, weil ich nicht weiß für wen.

Wenn wir zu sehr die Menschen suchen, ist was falsch. Mit uns und der Welt. Aber vor allem mit der Welt. Weil sie uns keinen Raum bereithält und zugedenkt. Weil sie bezugslos macht. Sie trocknet die Felder unserer Betätigung. Macht sie zur Wüste, lässt sie verwaisen. Dort, wo wir sein könnten, ist nichts mehr.

Die Hierseitigkeit hält nicht genug Möglichkeiten bereit. Und auch nicht wirklich genug Vorbilder und Mitstreiterinnen. Wir suchen die Punkte in der Zeit. Menschen, die vorzeitig so lebten wie wir. In unserem Bild, nach unserem Gefallen.

*

Das mächtigste Lügen geschieht immer dort, wo man etwas nicht sagt.

Wenn man öffentlich scheitert, im Gesicht der Ungerechtigkeit. Die Menschen strecken sich uns zu. Sie regen sich. Denn dann ist, wann Hilfe kommt. Das Leben ist ins Unheil gehen. Wie Christus vielleicht. Um so das Richtige zu erwecken.

Die Mädchen nehmen die Liebe und geben sie nicht zurück.

I need more humility in my practice. Von noch weniger ausgehen, noch weniger erwarten.

Frauen sind, wie alle anderen auch, maximal auf ihren Vorteil bedachte Wesen.

Mich liebt niemand und ich wandere finster.

Ich liege im Bett. Die Augustluft ist kalt und weht draußen vor den milchigen Scheiben.

Vieles Bestehen (der Menschen) kommt auch dadurch, dass sie dulden, was ich nicht erdulde.

Kunst kann nicht Du sagen. Wo sagt sie Du?

Es ist so schön, von dir zu hören. Von dir und deinem Leben. Aus dem Mund deiner Schüchternheit. Ich mag auch dein Deutschsein. Deine extreme Zuverlässigkeit. Wie du auf alles achtest.

Und so stehe ich da. Im Wind oder auf der Stelle. Je nachdem. In einem Erdloch, grubig, und, natürlich: allein.

Glauben und Lieben ist für mich das »Herstellen« über eine Distanz. Es gibt eine Distanz: eine Distanz zwischen meiner Situation und meinem Weiterleben, eine Distanz zwischen zwei Menschen. Und der Glaube oder die Liebe ist ein beseeltes Aufsteigen, ein Schwimmen, ein Transzendieren und Auflösen unser in eben jener Distanz. Die Distanz, die unser Leben bedroht, diese Distanz, die unserem Verständnis die Kehle zuschnürt, diese Distanz wird durch Glauben leb- und begehbar.

Lieben ist also auch das Ergreifen und Begehen von Distanzen anderer Menschen. Von der Wirklichkeit präsentierte Todesgesuche, die sie verspüren. Wir werden Teil von ihnen. Wir begehen die Distanz anderer Menschen. Und gleichzeitig begehen wir in diesem Zug auch unsere Distanz zu eben jenen Menschen.

Denn nur so kann Liebe bleiben, nur so kann Liebe in uns weiterexistieren. Nur so hält Liebe Trennungen stand. Als ein Vermögen, die Menschen zu fangen. Sie zu fassen. Und uns selbst. In dieser maximalen Zertrennt- und Gebrochenheit, die sich unser Leben nennt.

*

Heute war ein Mädchen am Böhmischen Platz, um Bücher zu verkaufen. Als ich Theologie erwähnte, haben wir direkt geklickt. Keine Liebe, aber ich bin fortgerannt.

Utopie heißt Sprachlosigkeit, Heimatlosigkeit. Und daran angeschlossen: Mangel an Menschen, Mangel an Unterstützung, und Mangel an lebensnotwendigen Mitteln.

Diejenigen, die wir nicht kennen, die nicht sprechen, die keinen Ort haben, und deswegen nicht vernehmbar und nicht einsehbar bleiben, sondern nur im Raunen und im Brechen des Wirklichen erahnbar sind, sind die zu Werdenden und Erneuerer unserer Zeit.

Alles neu Angepriesene, solange es denn beliebt, erfüllt den Zweck der Verortung. Eine Kampagne, ein gekauftes Buch, ein geteasertes Produkt. Das versetzt uns in Staunen und verheißt uns, unter dem, was es verspricht, Einigkeit und Geborgenheit zu erfahren.

Diese Versprechungen sind flach, untief. Sie verfallen mit der Zeit und ihr Wesen selbst gibt nicht viel her.

Doch nun nehmen wir den Nationalstaat. Was für eine fantastische Erfindung. Es gibt hier ein Konstrukt, das aus Werten und Ideen besteht, aus Vorstellungen und Bildern. Und es gründet in Regionalität.

Doch anders als bei den Marken der Konsumwelt besteht es aus tatsächlichen Menschen. Aus Menschen, die wir kennen, die uns umgeben. Aus Menschen, die letztendlich sind wie wir.

Wie konnte diese Erfindung keinen Erfolg haben?

Wenn ich arbeite, wenn ich was fertigstelle, es gehört einfach dazu, es auch zu zeigen. Das nicht zu tun, fühlt sich komisch an. Weil ich letztendlich das, was ich tue, für die Welt, für andere herstelle.

Angst ist immer etwas, das uns gehört. Sie ist in unserem Besitz.

Wenn wir lesen, schreiben wir auch. Danach, währenddessen. Lesen bedeutet schreiben.

Es wird immer gesprochen vom Am-Leben-Sein und der Vibranz. Auch von mir. Von mir natürlich. Ganz von mir.

Was ist das nun?

Was ist, wenn das Leben nun gar nicht all das ist, oder nicht in erster Linie?

Uns schwebten wohl die Geistlosen, die unbeseelten Älteren unserer Kindheit vor. Die Todgegangenen, die Verständnislosen, Ideenlosen, Witzlosen.

Doch was ist, wenn das Leben, jenseits der Demut, auch ist, sich mit einer Mittelmäßigkeit anzufreunden.

Mittelmäßigkeit der Erfahrung, des Lebensvollzugs, der eigenen Stärke und der Menschen, die man kennt.

Man muss den Boden bereiten für Großes. Nur in dieser Erwartungshaltung, in diesem Nicht-Erwarten kann passieren, kann ich warten.

Denn ehe man sich versieht, ist das Leben gar nicht so gewöhnlich. Wenn man seine Angst davor verliert.

Meine Eltern wollten immer, dass ich geldbezogen anders bin. Sie wollten mich in etwas pressen, das ich nicht bin. Die ganze Gesellschaft tat es, erwartete es von mir.

Ich sollte anders sein. Und meine Schwester verkörpert dieses Andere.

Ich bin müde. Es geht ganz oft darum, die Erwartungen von den eigenen Möglichkeiten zu trennen.

Mit Abstand betrachtet ist jedes Leben anrührend.

Wir sind doch in etwas Komisches hineingeboren. Flüge um die Welt, Health insurance, materieller Wohlstand. Gründend auf der Ausnutzung der Natur, anderer Menschen und Erdteile.

Es ist traurig mit den Frauen. Sie schauen weg, werden beregnet von sexueller Belästigung und Gewalt. Man könnte denken, sie mögen keine Männer. Viele sagen das auch. Aber es stimmt nicht. Man muss sich dazu denken, dass sie es tun. Sie sind nur tief enttäuscht und verletzt.

Ich mag solche Menschen, die Probleme haben. Mit sich. Ein gebrochenes Selbstbewusstsein. Oder einfach gebrochen. Das erweckt Liebe in mir.

Das ist der Vorgang, der mir am meisten entgegenschlägt, und an dem ich am meisten leide: an dieser Indifferenz oder Verständnislosigkeit. Als wäre ich Luft. Als existierte ich nicht. Als wäre das, was ich sage, gar nicht aufregend, sondern auf eine subtile Weise irrelevant und unbegreifbar.

Wir steigen in den Menschen. Das ist der größte Fehler, den ich immerzu tat. Ich dachte: Sie ist fehlerhaft, aber ich liebe sie. Ich liebe sie so sehr. Ich kann damit umgehen.

Doch wenn wir mit einem Menschen sind, werden wir zu diesem Menschen. Wir werden Teil seiner Realität. Seines Wahnsinns.

Viele Frauen, mit denen ich war, haben keinen Mangel an Gewalt.

*

Ich habe ihr gesagt, nur mit dir ist völlig Du zu sprechen.

Sie kam an der Boddinstraße und sah anders aus. Ihre Haare, die Brille – älter.

Ich lieh ihr ein Fahrrad und wir fuhren zu mir.

Das Gespräch war zäh, doch ihre Haut immer noch weich.

Ist das Lied meines Leids ausgesungen? Wähnt noch Sehnsucht an meinen Küsten?

Die geschlossene Form eines gedruckten Buches ist vielleicht einfacher als mein immer unfertiges Website-Projektieren.

Ich muss mich nur gut durchbringen. (Schaue in den Spiegel und denke, ich bin schön.)

E ist nicht gemacht für diese Welt. Und ich bin es auch nicht. Wir sind gebrannte Kinder. Und Väter waren zu hart zu uns. Und auch unsere Umwelt.

Wenn wir sprechen, flüstern wir. Und wir warten. Wir geben uns Raum. Jeder ist ein gewagter Schritt. Das ist unsere geteilte Erfahrung.

Wir stehen beide an fatalen Scheidewegen. Und uns beiden mangelt Unterstützung.

Ich möchte nirgends mitmachen, das mir nicht entspricht.

Sie wäre eher bereit. Und macht es doch nicht.

Ich habe kein Geld und keine Menschen und nur der liebe Gott weiß wieso.

Natürlich gibt es die Menschen. Oder hast du ernsthaften und berechtigten Zweifel, dass es sie gibt?

Heißes Blut strömt durch meine Adern. Es verletzt mich, dass ich sie kannte.

Und auch ihre Freundinnen oder ihr Hang zur Welt waren zu stark.

Wir sind alle Trittbrettfahrer der Geschichte oder müssen es sein. Sonst existieren wir nicht.

Mich reizt es, mich nicht völlig der Illusion des deutschen Idealismus hinzugeben, wie er über Foucault und Butler zurück in die Kinderstuben gekommen ist. Dass wir eben nicht alles ersein und erdenken können durch unser Erkenntnisvermögen.

Wir sind gebunden an die Traditionen, an einen Weltverlauf, und sicher auch an eine Materialität.

We don’t break free by disavowing normative orders.

Wir brechen sie, indem wir sagen: ja, ihr habt gewonnen. Hier liege ich nun in Blut und Schmutz. Gut so? Gefällt’s euch? Ich kann nicht anders. Ich bin fett und falsch und dumm und hässlich. Aber ich weiß, dass ich es nicht bin. Ich kann nicht sagen: Ich bin schön, wie ich bin. Weil das wäre nicht die ganze Wahrheit.

Wir (oder ich jedenfalls) existieren so maßgeblich durch die Gesellschaft, durch ihren Blick und den der Menschen um uns rum. Wir können das nicht auf einmal wegwünschen.

Ich war nie dabei, wenn Menschen sagten: Mir ist egal, was die anderen denken. Weil es nicht so ist. Für mich ist es nicht so und wird es nie sein.

*

Ich lebe durch die Gesellschaft, durch die All-gemein-heit.

Was der Staat denkt, ist für mich maßgeblich.

Es ist ein Gewebe: der Staat, die Familie, die Sprache, die Wirtschaft.

Mein Leben fließt auf diesen Bahnen.

Ist nicht unser Lebensvollzug auch ganz fern vom Verstehen, und wesensmäßig sehr verständnislos?

Unser Tun folgt doch auch einem wechselseitigen Passieren in der Zeit, von Zufällen und Ahnungslosigkeit geprägt.

Es ist spannend, wie ich in meinen Notizen nicht versuche, Texte zu schreiben, sondern dass ich unablässig daran nage, Gedanken und Wege zu suchen, irgendwie leben zu können.

Ich finde sie nicht.

Wenn ich an mein Ansprechen von Leuten auf der Straße denke: ich will auch einfach viel.

Ich mache es ja oft genug nicht. Oft genug gehe ich nicht zu den Menschen hin.

Doch wenn ich gehe, oder darüber nachdenke, zu gehen, ist das nicht ein Ausdruck von Gesehen-Werden-Wollen, und in einem generelleren Sinn Ausdruck von Wollen überhaupt?

Was will man als Mensch? Ich finde das spannend. Wollen nicht alle Menschen gleich viel? Ich glaube nicht.

Gibt es Menschen, die mehr Träume und Wünsche haben als andere? Darum geht es mir nicht.

Ich will eher sagen, dass das Wollen auch mit den eigentlichen Betätigungsmöglichkeiten in der Welt zusammenhängt.

Oder anders gesagt: Man kann das Wollen verlieren. Ich habe es oft gesehen. Das Wollen versiegt. Und das ist ein trauriger Moment.

Doch man kann das Glück schon maßgeblich exponieren. Wenn man sich viel zeigt. Man wird gesehen. Die Leute verlieben sich. Das ist alles.

Geht es denn, dass man gezeigt wird, und Liebe erfährt?

Ich glaube das nicht.

Denn es ist so: Was man ist, ist immerzu die Verdrehung und Herausforderung dessen, was die anderen in uns sehen. Das ist die große Jagd und das große Spiel der Menschen.

Nur wenn wir eine Konzeption von uns haben, die der Fremdeinwirkung überlegen ist, und die sich unabhängig von ihren Blicken durch die Manege bewegen kann, sind wir wirklich selbst.

Selbst ist vielleicht nicht so sehr eine statische Konzeption als die Fähigkeit, sich in den Blicken und im Zugriff anderer selbstbestimmt bewegen zu können.

First published: October, 2026.