Mich reizt es, mich nicht völlig der Illusion des deutschen Idealismus hinzugeben, wie er über Foucault und Butler zurück in die Kinderstuben gekommen ist. Dass wir eben nicht alles ersein und erdenken können durch unser Erkenntnisvermögen.
Wir sind gebunden an die Traditionen, an einen Weltverlauf, und sicher auch an eine Materialität.
We don’t break free by disavowing normative orders.
Wir brechen sie, indem wir sagen: ja, ihr habt gewonnen. Hier liege ich nun in Blut und Schmutz. Gut so? Gefällt’s euch? Ich kann nicht anders. Ich bin fett und falsch und dumm und hässlich. Aber ich weiß, dass ich es nicht bin. Ich kann nicht sagen: Ich bin schön, wie ich bin. Weil das wäre nicht die ganze Wahrheit.
Wir (oder ich jedenfalls) existieren so maßgeblich durch die Gesellschaft, durch ihren Blick und den der Menschen um uns rum. Wir können das nicht auf einmal wegwünschen.
Ich war nie dabei, wenn Menschen sagten: Mir ist egal, was die anderen denken. Weil es nicht so ist. Für mich ist es nicht so und wird es nie sein.
Ich lebe durch die Gesellschaft, durch die All-gemein-heit.
Was der Staat denkt, ist für mich maßgeblich.
Es ist ein Gewebe: der Staat, die Familie, die Sprache, die Wirtschaft.
Mein Leben fließt auf diesen Bahnen.
Ist nicht unser Lebensvollzug auch ganz fern vom Verstehen, und wesensmäßig sehr verständnislos?
Unser Tun folgt doch auch einem wechselseitigen Passieren in der Zeit, von Zufällen und Ahnungslosigkeit geprägt.
Es ist spannend, wie ich in meinen Notizen nicht versuche, Texte zu schreiben, sondern dass ich unablässig daran nage, Gedanken und Wege zu suchen, irgendwie leben zu können.
Ich finde sie nicht.
Wenn ich an mein Ansprechen von Leuten auf der Straße denke: ich will auch einfach viel.
Ich mache es ja oft genug nicht. Oft genug gehe ich nicht zu den Menschen hin.
Doch wenn ich gehe, oder darüber nachdenke, zu gehen, ist das nicht ein Ausdruck von Gesehen-Werden-Wollen, und in einem generelleren Sinn Ausdruck von Wollen überhaupt?
Was will man als Mensch? Ich finde das spannend. Wollen nicht alle Menschen gleich viel? Ich glaube nicht.
Gibt es Menschen, die mehr Träume und Wünsche haben als andere? Darum geht es mir nicht.
Ich will eher sagen, dass das Wollen auch mit den eigentlichen Betätigungsmöglichkeiten in der Welt zusammenhängt.
Oder anders gesagt: Man kann das Wollen verlieren. Ich habe es oft gesehen. Das Wollen versiegt. Und das ist ein trauriger Moment.
Doch man kann das Glück schon maßgeblich exponieren. Wenn man sich viel zeigt. Man wird gesehen. Die Leute verlieben sich. Das ist alles.
Geht es denn, dass man gezeigt wird, und Liebe erfährt?
Ich glaube das nicht.
Denn es ist so: Was man ist, ist immerzu die Verdrehung und Herausforderung dessen, was die anderen in uns sehen. Das ist die große Jagd und das große Spiel der Menschen.
Nur wenn wir eine Konzeption von uns haben, die der Fremdeinwirkung überlegen ist, und die sich unabhängig von ihren Blicken durch die Manege bewegen kann, sind wir wirklich selbst.
Selbst ist vielleicht nicht so sehr eine statische Konzeption als die Fähigkeit, sich in den Blicken und im Zugriff anderer selbstbestimmt bewegen zu können.